Mannheims Straßen

Donnerstag, Mai 25, 2006

Hurre, hurre, hurre!


Tour 6
Stadtteil: Schwetzinger Stadt/Oststadt
Abgelaufene Straßen: Weberstraße, Wespinstraße, Joseph-Haydn-Straße, Brahmsstraße, Schumannstraße, Seckenheimer Straße, Mühldorfer Straße, Hugo-Wolf-Straße, Richard-Wagner-Straße, Augustaanlage, Brucknerstraße, Karl-Reiß-Platz, Gluckstraße, Otto-Beck-Straße, Bachstraße

"Hurre, hurre, hurre! Schnurre, Rädchen, schnurre!" heißt es in Gottfried August Bürgers "Spinnerlied". Aber man darf sicherlich bezweifeln, ob der Sprayer in der Otto-Beck-Straße diesen Teil der deutschen Literatur im Hinterkopf hatte, als er "Du Hurre!!!" an eine Hauswand sprühte.

Dies und viel mehr habe ich heute allerdings nicht alleine entdeckt. Heute hatte ich das erste Mal eine Begleitung auf einer Tour. Nur muss ich mich im vorhinein bei Séan entschuldigen, dass er nicht der erste ist, der mich begleitet. Er hatte in einem Kommentar angeboten, mich durch Neuhermsheim zu begleiten, worauf ich auch sicherlich noch zurückkommen werde. Statt dessen bin ich heute zusammen mit Julia Vettermann von "Welt-Kompakt" durch die Schwetzinger Stadt und die Oststadt gelaufen. Der Artikel dazu soll morgen auf der Rhein-Neckar-Seite der Rhein-Main Ausgabe von Welt-Kompakt erscheinen und wird in und um Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen, Darmstadt, Frankfurt und Wiesbaden erhältlich sein.

Den Mythos, dass es keine gelben Telefonzellen mehr gibt, möchte ich hiermit endgültig beerdigen. Wir haben auf unserer Tour heute jeweils zwei Zellen in der Weberstraße und an der Augustaanlage gesehen. Die ersten beiden hätte ich tatsächlich beinahe übersehen, auf die hat Julia mich hingewiesen. So eine Begleitung hat schon seine Vorteile. Der Nachteil, so es denn überhaupt einer ist, ist das langsamere Tempo, mit dem man durch die Straßen läuft. Daher war unsere heutige Tour auch relativ kurz.

Zu sehen gab es aber dennoch genug. So z.B. die metallernen Kunstwerke, die zwischen den Bäumen der Augustaanlage stehen und über die sich die Mannheimer köstlich streiten können. Mittlerweile sind auch hier die Sprayer aktiv geworden und haben einige dieser Kunstwerke mit einem großen Fragezeichen versehen. In dem Sinne auch gar nicht schlecht, so erreicht die Kunst hier tatsächlich einmal das, was sie für sich in Anspruch nimmt: sie provoziert und fördert die Kommunikation und wenn letztere dann nur aus einem Fragezeichen besteht, ist das ja auch okay.

Gleich zu Beginn der Tour entdeckten wir eine Art Stele mit zwei Jugendstilfiguren in der Weberstraße (siehe Foto). Es wirkt so, als hätte an der Stelle mal ein Haus gestanden und als ob nur dieser eine Teil (ein Mauervorsprung?) stehen geblieben wäre. Zumindest kann man auf diesen Gedanken kommen, da es in diesem Stadtteil mehrere, teils liebevoll restaurierte Jugendstilhäuser gibt, die einen wohltuenden Kontrast zu dem Beton-Einmaleins bilden, den man sonst so häufig in Mannheim sieht und dem diese Stadt wohl auch ihren schlechten Ruf zu verdanken hat. Wenn man beispielsweise das Ensemble aus Kunstverein und den beiden Gebäuden von "Bilfinger-Berger" sieht, die hier ihren Hauptsitz haben, kann man das auch verstehen. Bei genauerem Hinschauen besteht Mannheim jedoch aus mehr als nur Beton.

Apropos Beton. Gestern habe ich eine Broschüre von "Metropolenfieber! Veranstaltungsreihe StadtBauKultur Mannheim_2007" in die Hand bekommen. Jetzt dürft ihr mal raten, von wem das gesponsert wird. Na? Genau, dem "Beton Marketing Süd".

In unmittelbarer Nachbarschaft von Bilfinger-Berger steht der Glaspalast der "Mannheimer Versicherungen". Ich hatte ja in dem Eintrag über die Vogelstang schon über das merkwürdige Nebeinander von Beton und Natur geschrieben. Hier hat man das ganze ins 21. Jahrhundert transferiert. Im Innenhof steht ein kleiner Baumwald, der hinter Glas eingesperrt ist. Das wirkte mehr als surreal.

Gegenüber dieses Glas-Baumwalds fanden wir einen weiteren Beweis für den städtischen Parkplatzkrieg: "Privatgelände! Das Abstellen von Fremdfahrzeugen wird als Hausfriedensbruch strafrechtlich verfolgt."

So man denn einen Parkplatz finden sollte, darf man auf gar keinen Fall eines der besten italienischen Restaurants Mannheims verpassen. An der Augustaanlage liegt das "Ristorante Augusta", in dem der Inhaber Giovanni Scurti zu sehr moderaten Preisen hervorragend kocht. Das überraschende, aber auch angenehme an diesem Restaurant ist die Mischung des Publikums, vom Arbeiter bis zum Promi ist hier alles vertreten.

Am herrlichsten amüsiert haben wir uns wohl über die Fantasie der Friseure. So findet sich in der Seckenheimer Straße der "Friseursalon Hairicane". Ob das nun das beste Wortspiel ist, wage ich ein wenig zu bezweifeln. Ich konnte da nur an eine von einem Hurricane zerzauste Frisur denken und musste herzlich lachen.

Das war's auch schon. Und morgen könnt ihr dann Julias Ansichten über diese Tour lesen. Viel Spaß dabei.

Heute abgelaufene Straßen: 15
Dazu benötigte Schritte: 4078
Zurückgelegte Strecke: 2,44km
Angeblich verbrauchte Kalorien: 142
Heutige Begleitung: Julia Vettermann, Welt-Kompakt
Heute gesichtete gelbe Telefonzellen: 4

Bisher abgelaufene Straßen: 90
Gesamte Schrittzahl: 39339
Gesamte Strecke: 23,58km
Bisheriger angeblicher Kalorienverbrauch: 1289
Begleitungen durch Mannheims Straßen: 1
Gelbe Telefonzellen in Mannheim: 6

2 Comments:

  • Du kannst dich schon mal drauf freuen dass es in Neuhermsheim ebenfalls mindestens eine gelbe Telefonzelle gibt. Am Sonntag habe ich in Kaiserslautern sogar zwei nebeneinander gesehen.
    Da hast du ja auch gleich die Idee für dein nächstes Projekt, wenn du Mannheims Straßen alle durch hast!

    By Blogger Seán, at 2:37 vorm.  

  • Ach jetzt ist Mannheim schon ne Promistadt. Welcher Promi soll sich den bei dem Italiener treffen? Sagts mir, ich bin dabei. Naja,vielleicht kommen ja die future promis von der PopAkademie...

    By Blogger Stefan Boulet, at 12:17 nachm.  

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